Da ich ja nicht immer

…nur am Strand rumliegen kann… (nicht?) habe ich mir überlegt, die in Hamburg unter Ruderern belächelte Sportart des Stand Up Paddelboardings einmal auszuprobieren. Einige Leute hatte ich am Strand sogar in den Wellen paddeln sehen, auf jeden Fall einen Versuch wert. Also kurzum eine Stunde gebucht und ab in die Marina und aufs Board. Ich hab ja gedacht, der Weg würde mich direkt über’s Brett, die andere Seite runter stracks ins Wasser führen – aber nein, ich bin erstaunlich ausbalanciert. Worüber ich aber mal gar nicht nachgedacht habe: man steht ja die ganze Zeit nur rum, da werden die Füße dann auch schnell mal taub. Und letztlich ist es wie jede Sportart irgendwie Arbeit. ;-) Trotzdem bin ich relativ angetan (nicht so sehr wie vom Rudern selbstverständlich!). Besonders faszinierend finde ich, dass es Leute gibt, die auf den Boards Yoga praktizieren! Na da muss man dann aber schon sehr im Gleichgewicht sein…

Weil ich die Leute in der Surfschule so nett fand, hab ich gleich für den nächsten Tag noch eine Kajak-Nature-Tour gebucht. Das war zwar echt schön, aber son Kajak ist nicht wirklich aufregend, wenn man theoretisch paddeln und rudern kann ;-) Also hab ich versucht – was ich sowieso schon lange mal wollte – eine Surflesson zu buchen… Leider hat es beim ersten Mal so gewittert, dass wir das verschieben mussten und beim zweiten Mal war der Surflehrer ‘noch nicht wieder zurück in der Stadt’… Aha. Wohl etwas länger unterwegs gewesen am Samstag?! Enttäuschend. Der Versuch, bei einer anderen Surfschule zu reservieren endete damit, dass die Dame am Telefon mich erst in die Warteschleife packte, um mich dann wegzudrücken. Danke dafür. Ich muss ja auch nicht alles auf einmal ausprobieren ;-) Vermutlich wollte sie mich nur vor mir selbst beschützen…

Aber ich war nicht völlig untätig, denn einmal die Woche wurde auch auf dem Campingplatz Yoga angeboten. Das war richtig gut und ich bin entsetzt, wie unbeweglich ich geworden bin! Von wegen, ein bisschen Knie und ein bisschen Füße… Vom Bauchnabel abwärts (und aufwärts) ist praktisch alles Yoga-bedürftig! Die Yogalehrerin gab mir hinterher noch den Tipp, mal eine chinesische Fußreflexzonenmassage machen zu lassen und erklärte mir, wie ich am einfachsten zu der neu eröffneten ‘Praxis’ käme. Das habe ich dann auch gleich Montag mal in Angriff genommen. Morgens noch schnell den Zeltplatz in Washington DC reserviert und los ging’s.

Der Laden hieß Foot Relax oder irgendwas in der Richtung, war jedenfalls aufgrund der großen roten Lettern recht einfach zu finden. Ich also rein da. Der erste Eindruck war mehr so in die Richtung Chinarestaurant, zumindest optisch. Es war hübsch dekoriert und eine Dame fragte mich in sehr spärlichem Englisch: Telmin? – Noch nicht… – Kein Ploblem! Fuß odel Kölperl? – Füße – Eine Stunde? Sechzig Minuten? Halbe Stunde? – Eine Stunde – Gloupon? (Groupon Gutschein) – nein?! – Ok, komm…! (und jetzt noch mal auf englisch: appointment? – not yet… – no ploblem – foot? body? – ähm feet?! – one houl? sixty minutes? half houl? – one hour –  Gloupon? – no?! – okay, come…!) Es ist wirklich witzig, mir war gar nicht gegenwärtig, dass ja auch im Englischen das ‘r’ immer noch ein ‘r’ ist… ;-)

Ich wurde also innerhalb weniger Sekunden einem riesen Sessel und den Händen eines chinesischen Masseurs überlassen und musste mir eine Stunde lang über nix Gedanken machen. Und der Typ war richtig gut! Erst hat er sich Gesicht und Nacken vorgenommen und mir dann ordentlich die Ohren, Arme und Finger lang gezogen – dann ging es an die Füße und Waden. Der wusste genau, wo er reingreifen musste, ohne mir allerdings allzu sehr weh zu tun. Danach wäre ich am liebsten noch sitzen geblieben, nur um meine entspannten Treter noch ein wenig zu schonen ;-)

Beim Bezahlen ging dann die ‘Gloupon’-Diskussion wieder los. Die Dame war ganz verzweifelt, dass sie keinen Grund finden konnte, mir auf den eh schon guten Preis auch noch Rabatt zu geben. Sie handelte sich selbst dann noch fünf Dollar runter, die ich postwendend aufs Trinkgeld draufpackte. Das war es wirklich wert! Und wovon (über-)leben die eigentlich?

Danach gab’s ein schnelles spätes Frühstück und dann ging es zum Abschieds-sonnenbaden nochmal an den Strand, was zur Folge hatte, dass ich die gut 250 Meilen nach Washington DC etwas spät und nicht mehr ganz so relaxed hinter mich brachte – besonders, da ich mich im Dunkeln dann noch schön verfahren habe – aber auch das war es wert! Im Stirnlampenlicht fix das Zelt aufgebaut, nen Cheeseburger aus der Mikrowelle und ein Bier, und der Abend war auch gerettet. :-)

Ein Gedanke zu „Da ich ja nicht immer

  1. schnuff

    Das zu lesen hat mir für heute ein Dauer-grinsen auf s Gesicht gezaubert-
    Vielleicht solltest du den Titel deiner Seite noch ergänzen : mein halbes Jahr im Wald, am Strand, beim sightseeing, Wellness..
    Ich bin jedenfalls sehr erleichtert, dass du nicht zu einer Ober-über-hikerin geworden bist (nicht, dass ich es ernsthaft befürchtet hätte), sondern Einkehr und Sinnfindung auf nachvollziehbare Weise betreibst.;-)

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