Abschied

Die letzten Tage im Wald war ich etwas traurig, dass es bald vorbei sein würde, so sehr ich auch tägliche Dusch- und Badeexzesse, sowie echtes Essen und einen vollen Kleiderschrank vermisst habe. Ganz zu schweigen von flauschiger Bettwäsche oder einer Couch – nicht weit von der Heizung – mit Wolldecke, Kerzen und einem guten Buch.

Ein kleines bisschen von all dem hatte ich in den letzten drei Hostels auf dem Trail, was wirklich ausgesprochen selten ist! Nur wenige Hostels sind sauber, gemütlich und gut geführt! Es ist tatsächlich die Ausnahme, aber der Trailfunk funktioniert ausgezeichnet, und durch die ‘vielen’ Southbounder war ich gut informiert.

So habe ich zwei Nächte in der Mountain Home Cabbin verbracht. Der Besitzer Scott war ausgesprochen hilfsbereit und hat außerdem ein hervorragendes Frühstück serviert. Zur Krönung meines Aufenthaltes habe ich eine Führung durch das denkmalgeschützte Haupthaus erhalten, das in den nächsten vier Jahren zu neuem, altem Glanze erweckt werden wird. Wenn Scott und Lisa in Rente gehen, werden sie darin ein B&B eröffnen, und bis dahin wechseln sie sich mit der Koordinierung der Renovierung und der Hostelgeschichte ab und arbeiten ‘nebenbei’ tageweise zuhause. Ein sehr beeindruckendes Modell!

Schon drei Tage später marschierte ich in das Bears Den Hostel ein, ein wunderschönes altes und restauriertes Steingebäude. Die Räume waren super gemütlich und es gab ein 30$-Hikerspecial: Bett, Dusche, Laundry, Pizza, Soda, Icecream! Unschlagbar! Von dort bis nach Harpers Ferry waren es dann nur noch zwei Tage – also eine letzte und schon erwähnte Nacht im Wald und einen halben Tageshike nach Harpers Ferry. Und ich hatte es mir schon so schön ausgemalt… Irgendwie hatte ich mir den Zieleinlauf spektakulärer vorgestellt. Aber: keine Trompeten! Zuerst bin ich zur ATC (Appalachian Trail Conservancy), um mein Section-Hiker-Foto schießen zu lassen und ein bisschen in der berühmten Foto-Sammlung nach bekannten Gesichtern zu stöbern. Aber dann wollte ich duschen und essen, also marschierte ich zum mir dringend empfohlenen – und einzigen – Teahorse Hostel…

Um es kurz zu machen: an diesem Tag hatte ich dort kein Glück, weil die Telekommunikation versagte und nach 90 Minuten vergeblichen Wartens vor verschlossenen Türen jegliche Vorfreude dahin war. Ich endete wenig elegant und nachdem ich mehrfach herumgeschoben wurde im Towns Inn, im unrenovierten MountainView-Anbau. Dusche lauwarm, neben dem Bett tropfte das Wasser von der Decke, irgendein Grillentier zirpte die ganze Nacht und der Zug ratterte stündlich laut tutend (DA waren sie, die Posaunen!) durchs Zimmer… Aber das Essen war ausgezeichnet (!) und am Ende bekam ich das Zimmer und die Wäsche umsonst. Ich durfte sogar das Geschäftstelefon benutzen und sicherte mir für die nächsten drei Nächte (endlich) ein Bett im Hostel.

Ich habe die Zeit gut genutzt! Ich bin stundenlang durch diesen schönen historischen Ort geschlendert, ich bin auf den Berg gekraxelt, um die tolle Aussicht auf Harpers Ferry zu genießen, ich habe im Café gesessen und Eis und Chai-tea genossen, ich habe ein bisschen Geld ausgegeben und ich habe einen halben Tag in einem DaySpa verbracht – und das war eine der besten Ideen überhaupt! Ich brauchte ein Ritual, um mich zu verabschieden und dem sauberen Alltag wieder entgegen treten zu können, und was ist da besser geeignet, als ein Peeling, eine Massage, eine Pediküre (sowas von VERDIENT!!!) und Maniküre (sowas von nötig…)!?! Es war ein Fest! Ich war noch nie so clean! Und die Umstände waren wirklich optimal. Das Hostel – fürsorglich und ungewöhnlich strukturiert geführt von Laurel – war direkt gegenüber. Es gab Obst und leckere Waffeln zum Frühstück, und der Bus (zum Beispiel zu Walmart) hielt direkt vor der Tür, wenn man rechtzeitig mit den Händen fuchtelte.

Heute morgen nun habe ich mich von Laurel zum Bahnhof fahren lassen – ich habe mich für den MARC Pendlerzug entschieden, da Amtrac teilweise massive Verspätungen hat – und bin nach Washington DC gefahren. Hier bin ich nun wieder. Fast den ganzen Tag habe ich nur mit Sachen vertrödelt, die mir wirklich Spaß machen: Frühstück im Café, spazieren gehen und im Park sitzen und Blog schreiben :-) (Habt Ihr eigentlich die neuen Fotos schon entdeckt???) Ich könnte stundenlang einfach nur irgendwo rumsitzen und die Atmosphäre aufsaugen… Mir gefällt es hier ausgesprochen gut!

2 thoughts on “Abschied

  1. Tanja aka Mary Poppins

    Genieße die Zeit in Washington! Falls du folgendes noch nicht gemacht hast, noch auf die Agenda setzten:
    - Essen im Old Ebbit Grill
    - Besuch des National Museum of the American Indian. Sehr interessant und die Cafeteria ist toll: indianisch inspiriertes Essen aus unterschiedlichen Regionen Amerikas.
    Und schon wieder geht’s um’s Essen, man könnte echt meinen, ich wäre noch auf dem Trail…

    1. Tina Beitragsautor

      Geht es nicht immer irgendwie ums Essen? Schließlich hält essen Leib und Seele zusammen, wie man so schön sagt ;-)
      Steht beides auf jeden Fall auf meiner Liste!

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