Man muss gar nicht

…nach Australien reisen, um über 20 Stunden unterwegs zu sein. Washington reicht völlig aus. Was jeder andere innerhalb 10-12 Stunden von Tür zu Tür hinter sich bringen kann, zelebriere ich bis zum letzten Moment… Der Weg zum Flughafen war schon gar nicht zu großzügig bemessen, wie ich unterwegs feststellen durfte, aber immerhin völlig ausreichend. Auch ohne rumzutrödeln und trotz viel boardingtime kam keine Langeweile auf. Trotzdem hatte der Flieger direkt 40 Minuten Verspätung. Der Käpten entschuldigte sich nur so halb und mit den Worten, er wüsste auch nicht, warum wir so spät geboardet hätten. Wer entscheidet denn bitte sowas? So wirklich angetan war ich schon auf dem Hinflug nicht von SAS. Die Sitzreihen sind gerade so eng zusammen geschoben, dass so eben ein bis zwei Zentimeter fehlen, um im Sitzen – aufrecht oder auf den Tisch gestützt – schlafen zu können. Entweder man kriegt seine Beine nicht richtig untergebracht, oder man dengelt ständig mit der Stirn gegen den Sitz des Vordermannes, (falls man so gelenkig ist, dass man den Rücken überhaupt so krumm bekommt). Und wehe, der bewegt sich dann auch noch!

Und lustigerweise habe ich mich im Greyhound noch darüber amüsiert, als der Fahrer die Verhaltensregeln verlas, bevor wir losfuhren…nicht zu laut reden, Füße bleiben unten, keinen Müll herumliegen lassen, die anderen Fahrgäste nicht belästigen usw… Klar dachte ich, bei DEM Klientel sagt man besser vorher etwas… Da gab es sogar Schilder, dass Müllsäcke nicht als Gepäck gelten und nicht unter den Bus verstaut gehörten. Kommt man ja nicht von selbst drauf.

Tja, im Greyhound hat das irgendwie besser funktioniert mit dem Benehmen. Meine Nacht war kurz! Um acht gab’s Abendessen, um sechs Frühstück, macht netto (Zeitverschiebung) vier Stunden theoretischen Schlaf…Es wurde laut gequatscht bis zum Morgengrauen, was außer mir niemanden zu stören schien. Natürlich war der Anschlussflug in Copenhagen weg und der nächste Flieger voll… sieben Stunden Wartezeit und das Wifi läuft auch nicht. Zur ‘Entschädigung’ gab es einen Service-Gutschein im Wert von 100DKK, was in etwa 1,5 Heißgetränken oder knapp einem halben Mittagessen entspricht. Prima. Der Copenhagener Flughafen ist zwar recht groß aber auch schnell abgegrast, besonders wenn man gar nicht shoppen will. Mich könnte man so wunderbar foltern, Schlafentzug, in jeder Ecke plärrt Musik, Reizüberflutung, überall Menschen. Naja, das lässt zumindest hoffen, dass ich heute Nacht gut schlafen kann und der Jetlag schnell vorbei ist.

One thought on “Man muss gar nicht

  1. Daniel

    Kleiner Trost bei lauten Mitreisenden: Rumballernde Jäger in amerikanischen Wäldern sind potentiell gefährlicher. Ansonsten: Welcome back!

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