Frisch geduscht

… ist das Leben gleich noch mal so schön :-) Nachdem wir vor drei Tagen bei gar nicht mal so schönem Wetter gestartet sind, wurde es unterwegs und von Tag zu Tag wieder wärmer. Die erste der letzten drei Nächte war die kälteste und feuchteste, und morgens mit schockgefrosteten Fingern das nasse Zelt einzupacken war wahrlich kein Vergnügen. Aber im Laufe des Tages wurde es wärmer und die Sonnenbrandgefahr stieg glücklicherweise deutlich. Nun, dann gingen sie erst los, die Wehwehchen…

Wie kann man bloß eine Wanderhose verkaufen, bei der die Nähte nicht getapt sind? Wer schon mal wandern war weiß vielleicht, was ich meine ;-) So kam es, dass ich die Grenze zwischen Georgia und North Carolina in Unterhosen überquerte, weil die einfach viel bequemer waren. Na ja, und wenn man dann mal so rumguckt, stellt man fest, dass es scheinbar vielen so geht. Bei nächster Gelegenheit kaufe ich mir eine Radlerhose ;-) Dann war da noch die Geschichte mit den Knien… Ich dachte mir schon, dass es nicht ganz ungewöhnlich ist, dass die Knubbelknie nach 13 Meilen und gefühlt ebenso vielen Bergen nicht gerade Luftsprünge machen wollen würden… Aber vor drei Tagen war der Punkt erreicht, an dem ich Tanja – die nach wie vor die Berge rauf und runter sprang wie ein junges Reh – vorschicken wollte… ungefähr so wie im Fernsehen: Lass mich zurück, ich schaff’s nicht mehr, lass mich einfach sterben… Ich war kurz davor, die Berge rückwärts runter zu laufen, so von Laufen noch die Rede sein konnte. Zum Glück wurde ich von so vielen überholt, dass eine Menge guter Tips meinen Weg kreuzten. Auch das Knieproplem also kein unbekanntes. So habe ich mir bei unserer heutigen Shoppingtour eine Knieschiene gegönnt. Die letzten zwei Tage habe ich ganz wunderbar mit ‘Veidemin-ei’ (Vitamin I – wie Ibuprofen) überstanden – viele machen das den ganzen Trail – aber auch das gehört zu den Dingen, die nicht unbedingt sein müssen.

In der zweiten kalten Nacht – bzw. das was hier die Nacht ist, so ungefähr ab abends um sechs – kam ich auf die Idee, wir könnten mal ein Feuer machen. Die Zelte standen günstig, nicht so nah wie den Abend vorher, und so machten wir unser erstes eigenes Campfire. Zündende Idee von Tanja: trockene Blätter brennen noch besser als feuchtes Papier ;-) Nach und nach kamen andere Hiker dazu und jeder brachte etwas Holz mit, so wurde es eine total gemütliche Runde und zum ersten Mal war ich erst im Dunkeln und mit warmen Füßen im Bett.

Gestern haben wir dann die 100-Meilen-Grenze geknackt, indem wir den Albert Mountain bestiegen und überlebt haben. Der Aufstieg hat sich wirklich gelohnt, von dem Feuerturm auf eben diesem Berg hatten wir eine gigantische Aussicht. Und ich will nicht schon wieder vom Essen reden, aber wir haben eine wunderbare Mittagspause dort verbracht. Tortillas mit Thunfisch, hmmm…

Der gestrige Abend war kurz und lustig. Ein Hiker erzählte, es wären unglaublich viele Deutsche auf dem Trail unterwegs, ‘packs of germans’! Bis dahin hatten wir kaum welche gesehen. Die Nacht im Wald hatte ich dann zum ersten Mal Mäuse um mein Zelt herum, aber keine hat sich rein getraut, obwohl meine Füße geruchlich sicher durchaus interessant gewesen sein dürften.

Inzwischen sind wir bei Meile 109 in Franklin angelangt und haben somit die 5%-Hürde genommen. Naja, für Tanja sind es ja sogar 10%. Wow, die Zeit rennt. Wir haben uns im Sapphire Inn eingenistet und nach Dusche, Hamburger, Laundry (Wäsche waschen) und Einkauf (verrückt!  Wir werden hier ständig überall hin geshuttlet!) ging’s zur Abwechslung heute Abend zum Mexikaner :-) Sehr lecker… Und den ganzen Tag über wurden es immer mehr und mehr Hiker, die im Ort eintrudelten, und da sind sie, die ganzen Deutschen. Wir konnten etwa fünf bis sechs ausmachen…

Morgen geht’s weiter, der nächste Einkauf ist in drei Tagen geplant, so dass wir zum Glück nicht so viele Lebensmittel mitschleppen müssen. :-)

4 thoughts on “Frisch geduscht

  1. BruderHerz

    Hallo Schwesterherz!

    Immer wieder schön von euch zu hören und herzlichen Glückwunsch zu den ersten 100 Meilen! :-)
    Ich hoffe Du hast inzwischen eine Radlerhose kaufen können ;-)
    Und natürlich hoffe ich, dass Deine Knie durchhalten und Tanja Dich nicht zurücklassen muss…

    Das mit dem Campfire hört sich echt gut an – aber Du hast gar nicht erzählt, was es noch zu essen gab… Hattet ihr zufällig ein Wildschwein erlegt???

    Bis zum nächsten Mal :-)
    Dein BruderHerz

    1. Tina Beitragsautor

      Nö, bisher keine Radlerhose für mich :-( aber es geht auch in Unterbüxen.

      Hmmm… was gab’s denn da zu essen? Vermutlich eine Waldpilzcremesuppe vorweg, danach Spanischen Reis und als Dessert ein paar M&Ms… oder sowas…

  2. Daniel

    Im Schlüpfer über die Grenze … Da hat sich der Trail ja jetzt schon gelohnt ;-) Ich wünsch Dir weiterhin viel Spaß (und nicht allzuviele freilaufende Germans). Daniel

  3. Claudia

    Nun lese ich auch ständig irgendwas vom Essen…und nun habe ich Hunger :-D
    Ich hoffe Deine Knie halten durch…
    Tschakka!

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