Wir haben natürlich

…keinen Zeroday eingelegt, sondern sind am nächsten Tag nach Einkauf und Frühstück – in der freudigen Erwartung, der Regen würde bald ganz aufhören – wieder losgestiefelt. Ja… und der Regen hörte auch auf, aber je höher wir kamen, umso kälter wurde es… Und so liefen wir den halben Tag mit dem Kopf in den Wolken, hatten uns die 22 Grad Celsius noch gar nicht ganz abgewöhnt, da pfiff es uns in jeder Kurve mit Eiseskälte um die Ohren. An den Bäumen auf den Gipfeln gefror der Niesel zu feinen weißen Kristallen. Die ganze Zeit hatte ich einen Ohrwurm, der irgendwas mit Winter-wonderland zu tun hatte, gefolgt von diversen Weihnachtsliedern.

Eigentlich wollten wir nur die 7 Meilen bis zum nächsten Shelter laufen, aber an der Stelle, wo’s runter ging, pfiff es gerade so extrem, dass ich auf keinen Fall bleiben wollte. Ich kann Euch sagen, ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so lange Beine hatte. In Windeseile haben wir also die drei Meilen zur nächsten Campsite auch noch abgerissen, in der irren Hoffnung, in tieferen Gefilden wäre es nicht ganz so kalt. War es vermutlich auch nicht, aber es war wirklich unglaublich kalt! Zum Glück hatten die Germans – die netten von denen – schon Feuer gemacht. Großartig!!! Das beste Feuer von Welt. Der Abend war ziemlich lustig und allen graute davor, in den kalten Schlafsack zu kriechen. Aber ich schätze mal, nur etwa die Hälfte hat so gefroren wie ich. Und wie es aussieht hat mein Zelt ganz besondere Qualitäten… Nachts hat es noch etwas geschneit und morgens hatte ich eine schöne glitzernde Eisschicht sowohl außen als auch innen am Zelt. Brrrr… Meine Finger waren so kalt, dass ich mehrere Anläufe brauchte, es auszuschütteln und zusammen zu rollen. Und was nicht gefroren war, war nass. Beim letzten Versuch also hatten sich die Eiskristalle im Zeltinneren gelöst und rutschten als Schnee auf dem Zeltboden hin und her und es war so viel, dass es für einen Schneeball reichte! Die “netten Germans” verpassten mir also umgehend den Namen Snowball… ;-) Ich hoffe, damit ist unser Soll an Minusgraden und Schnee erfüllt.

Gestern haben wir dann wieder etwas wärmer gecampt und nach einem relativ kurzen wenn auch anstrengenden Tag sind wir nun am Fontana Dam und genehmigen uns für eine Nacht nochmal ein richtiges Bett und eine Dusche in der Lodge (es gibt Hiker-Preise!), bevor es morgen in die Smoky Mountains geht.

Ein paar Bilder gibt es auch wieder zu sehen, auch wenn beim Hochladen nicht alles rund lief und die Computerkrücke in der Lobby Stunden dafür brauchte… ein kleiner Eindruck ist es allemal.

Und damit Ihr nicht denkt, nur wegen der paar Lästereien würden wir jetzt nix mehr übers Essen schreiben… Ich hatte zum Nachtisch einen heißen geschmolzenen Schokoladenkuchen mit einer Kugel Vanilleeis obendrauf, hmmm… Und der Name Snowball passt doch auch ganz gut, wenn ich demnächst die Berge runter rollen kann :-D

Nicht zu vergessen… Ich hab gehört, es solle Ostern werden: Ich wünsche Euch eine fröhliche Eiersuche und ein paar schöne erholsame Tage!!!

5 Gedanken zu „Wir haben natürlich

  1. Kirsten

    Gerade am Donnerstag beim Griechen, liebe Bettina, haben wir wieder an dich gedacht und überlegt, ob wir dir nicht ein Liedchen singen sollten und auf YouTube ablegen. Aber wie es immer so ist mit Ideen zwischen Bier, Metaxa, gegrilltem Feta und Gyros-Kinderteller – am Ende ging’s dann doch um Alters-WG, Pläne für Ostern und – die dürfen keinesfalls fehlen – leicht vers… Witze (Daniel kennt sie alle;-))

    Ist schon komisch, nach der Lektüre all’ deiner Einträge, würde ich trotz Knieschiene, verfrorener Finger und Zeltwände, Wetterstürze, Etappe ‘unten ohne’ (ein ähnlicher Selbstversuch die Mönckebergstraße entlang würde vermutlich auch nur begrenzten Aufruhr verursachen) und fehlender Lieblingsspeisen rasend gern mitwandern durch die Natur. Obwohl, bei meinen Knien auch Knieschiene und Ibuprofen nur von begrenztem Nutzen wären… Egal, ob thru-hike oder nicht, ist euer trip sicherlich eine verdammt gute ‘Schule’ und nützliches Rüstzeug, um sich dann auch hier wieder durch den Großstadtdschungel zu schlagen.

    Wir Zurückgebliebenen also freuen uns nun wie bekloppt über die vier freien Ostertage, um anschließend wieder das Hamsterrad zu besteigen. Ob das alles mal so gedacht war? Sei’s drum…
    Denn der Himmel über Hamburg ist blau und die Temperaturen sollen bis morgen auf 20 Grad ansteigen. Und bei diesem Wetter am Elbufer zu stehen und das maritime Treiben zu beobachten scheint unschlagbar. Zudem nun auch mein ‘neues’ Auto langsam aber sicher ins Spiel kommt und mich hoffentlich schon ganz bald Nord- wie Ostsee näher bringen wird. Zeitweise Stadtflucht lautet mein Plan für diesen Sommer.
    Jetzt wünsch’ ich euch aber erst einmal schöne Ostertage! Aus klebrigem Reis lassen sich bestimmt prima Ostereier rollen. Passt gut auf euch auf!
    Sonnige Grüße
    Kirsten

    1. Tina Beitragsautor

      Liebe Kirsten,

      mit dem Kinderteller wäre es bei mir inzwischen lange nicht mehr getan ;-) aber das Singen und Schnattern fehlt mir gelegentlich schon. Wobei hier einige mit Gitarre unterwegs sind – verrückt!!! Schleppen das Ding freiwillig!!! Und einige singen beim hiken, was ich auch manchmal mache, wenn die Luft dafür reicht. ;-)

      Die Idee mit der zeitweisen Stadtflucht finde ich auch nicht schlecht. Kein wirkliches Rezept gegen Hamsterrad-Gefühle, aber sicher ein guter Ausgleich!

      Seid alle ganz lieb gegrüßt und habt weiter viel Spaß beim Singen!

      Liebe Grüße
      Bettina

  2. Claudia

    Und ich mache mir Sorgen, dass Du zu dünn werden könntest…Süße, meine Gedanken schweifen ins Gegenteil…hm…ich werde ein paar ernste Worte mit dem Ruderclub reden und schon mal ein nettes Workout für Deine Rückkehr vorbereiten. *smile*

    1. Tina Beitragsautor

      Oh nee, um meine Figur muss man sich sicher keine Sorgen machen ;-) nur für heute hatte ich etwas zu knapp kalkuliert, aber das konnten wir mit einem zweiten Frühstück bei KFC kompensieren ;-) Und für die nächsten drei Tage habe ich besser eingekauft…

  3. Kathrin

    Liebste Bettina (oder soll ich lieber “snowball” zu dir sagen??),
    wir senden dir aus der Heimat herzlichste Ostergrüße. Am heutigen Karfreitag ist es kalt und ungemütlich, aber schon morgen sollen wir 18 Grad bekommen! Grüß´den easterbunny von uns,
    der hoppelt da bestimmt auch irgendwo lang! ;-)
    Fühle dich gedrückt und umarmt…
    KaCaBeJu

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