Der nächste Tag wäre eigentlich

…ein perfekter Fall für Zero gewesen. Es regnete wohl schon die ganze Nacht, aber wir bekamen es erst mit, als wir unser Motelzimmer verließen. Die Voraussagen hatten etwas anderes behauptet und wir hatten uns da einfach mal auf unser Glück verlassen. Naja, der erste Weg führte uns in das bereits am Abend vorher auserwählte Breakfast-CAMP. Zwei riesige Buckweat Pancakes mit Bananen- und Erdbeerscheiben und literweise Ahornsirup gaben schon mal eine gute Grundlage für den Start in die zweite Hälfte Smokys.

Mit dem Shuttle ging’s zurück auf den Trail, direkt an die nächste Grenze zwischen North Carolina und Tennessee. Da war es lange Zeit einfach nur nass und relativ frisch, was zum Wandern zwar ganz angenehm ist – zumindest die Temperatur, nicht der Regen – aber die Pausen fallen entsprechend kurz und wenig erholsam aus. Und irgendwie ist so Regenzeug doch irgendwann durch. Trotzdem war die Stimmung ausgesprochen gut, auch wenn es oben in den Bergen reichlich neblig war und wir wenig Ausblick hatten. Fast gespenstisch war es, wenn wir über einen der schmalen Berggrate liefen, links und rechts ging es steil bergab und wir konnten gerade fünf Meter weit gucken.  Der Abend war unspektakulär und relativ schnell abgehandelt. Weil das Shelter voll war, bauten wir schnell unsere Zelte auf und während wir noch überlegten, wie wir wohl unsere Sachen trocken bekommen sollten, kam kurz vor ihrem Untergang die Sonne nochmal raus :-) Die Nacht war entsprechend kalt und klar, und in dem Moment, wo ich am Morgen den Wassersack in die Hand nahm, gefror das Wasser darin zu kleinen Kristallen. Ähnliches passierte mit den Tropfen auf meinem Zelt. Aber die Sonne wärmte uns und unser Zeug relativ schnell auf, ich konnte sogar meinen Schlafsack trocknen, der bei diesen Temperaturen außen grundsätzlich Kondenswasser bildet… was bei Daune nun nicht gerade vorteilhaft ist.

Etwas später als sonst (ich musste noch meinen kleinen Zeh operieren, der sich von einer besonders hartnäckigen Blase nicht trennen kann) ging es fröhlich weiter und das nächste angepeilte Shelter erreichten wir problemlos, was sich als nicht selbstverständlich herausstellen sollte… Der nächste Tag fing schon nicht sooo gut an, das Knie muckte schon beim Losgehen, keine gute Voraussetzungen, wenn man plant, die Smoky Mountains zu verlassen und weiß, dass es den ganzen Tag bergab gehen wird… Ich konnte es nicht wirklich genießen, besonders die letzten zwei drei Meilen war’s vorbei mit der Naturliebe. Wie auch immer ich es geschafft habe, erreichten wir die Standing Bear Farm, eine echte Sehenswürdigkeit!!! Wir teilten eine kleine Hütte mit zwei Vätern, die jeweils mit ihren Kindern – schätzungsweise acht oder neun Jahre alt – den Trail auch schon seit Springer Mountain (bzw. incl. Approach Trail) zusammen gehiket sind! Unglaublich!

Die ganze Farm war super verschroben, etwas freaky, ein totaler Kontrast auf unserer bisherigen Reise. Mama hätte wohl erstmal das Putzzeug gesucht und Papa seinen Werkzeugkoffer ;-)… ich fand’s großartig. Standard und Ambiente dürften ungefähr dem Jahre 1900 entsprungen sein, sogar das Wäsche Waschen ging nur mit Waschbrett. Der Laden, in dem wir unsere Vorräte auffüllten verfügte über praktisch alles, neben Lebensmitteln gab es Medikamente (sogar Insulin), Klamotten, allerlei Kleinkram, außerdem Steaks, Burger und Pizza, die man in der Hikerküche oder auf dem Grill direkt zubereiten konnte. Den Bon dafür mussten wir selber schreiben und bei der Endabrechnung mitbringen. Und dann gab’s von anderen Hikern wieder gute Tipps für die Knie, die mich die nächsten zwei drei Tage durch die Berge retten sollten. Trotzdem kalkulierten wir unsere Marschverpflegung bis Hot Springs getrennt – Tanja für zwei Tage, ich für knapp vier.

Der nächste Tag war mal wieder teils etwas feucht, aber wir kamen gut voran. Und dann hatten wir das beste Trailmagic überhaupt! Gerade hatten wir uns einen Hügel runter gearbeitet, tauchte ein Garten-Pavillon (bzw. drei und ein Auto) vor uns auf. Es gab wirklich alles, was wir uns vorstellen konnten! Gestärkt mit Burgern, Cookies, Chips und Obst ging es auf zum Max Patch, einem völlig kahlen Gipfel bzw. Hügel, wo es uns so richtig um die Ohren blies, so dass es schwer war, nicht trotz und mitsamt der kompletten Ausrüstung einfach abzuheben. Ein Mordsspaß! Von da waren es nur noch zwei Meilen zum nächsten Shelter.

Auch der nächste Tag war ok, wettermäßig haben wir wieder die ganze Palette abgearbeitet und am Abend suchte Tanja eine großartige Campsite für uns aus. Gegen die Insekten, die die letzten Sonnenstrahlen nutzen wollten uns zu fressen, machten wir ein schönes Campfire und krochen im Dunkeln zufrieden in unsere Zelte. Die letzten acht Meilen nach Hot Springs haben wir nun gestern bei bestem Sommerwetter abgerissen und genießen heute unseren zweiten ZERODAY! Wir haben uns ein Zweierzimmer im ersten Hostel am Ort genehmigt und erledigen mal wieder alles, was anliegt.

Nachher wollen wir uns noch in eine der heißen Quellen stürzen, für die Hot Springs bekannt ist, und auch für unser leibliches Wohl sorgen wir nach wie vor ausgesprochen gewissenhaft ;-) Zum Frühstück waren wir mit Smokin’ Bear im Diner, mit Pancakes, Bagels und Bacon schon mal ein guter Anfang. Außerdem werde ich ein bisschen Balast nach Hause schicken, um es meinen Knien und mir etwas leichter zu machen, allerdings wurde mir empfohlen, meinen Winterschlafsack noch eine Weile zu behalten, denn wenn es wieder in größere Höhen geht, kann es durchaus wieder böse kalt werden. Es ist also viel zu tun an unserem freien Tag ;-) Vielleicht sollten wir uns langsam über’s Mittagessen Gedanken machen…

3 thoughts on “Der nächste Tag wäre eigentlich

  1. Marlies Bruhn

    hallo Bettina, bin ein eifriger leser deiner abenteuer,freu mich jedesmal über gute nachrichten, alles gute für dich und dein knie! liebe grüße von deiner exkollegin Marlies.

  2. T B L N M

    Hallo, wir verfolgen alles gespannt und man bekommt wirklich immer Hunger feiern gerade beim besten Wetter Geburtsag der erste bei dem Du fehlst …

    1. Tina Beitragsautor

      In Gedanken bin ich dabei :-) Habe mir heute extra frei genommen…

      Happy Birthday to you, happy Birthday to you, happy Birthday, happy Birthday, happy Birthday to youuuuu…. ;-)

Kommentare sind geschlossen.