Back on the Road

Ok wo fang ich an… Am besten nochmal einen Tag vorher… Ich hatte nämlich die schlaue Idee, meinem Homöopathen zu mailen und um Hilfe zu fragen. Hätte ich früher drauf kommen können, müssen wir hier aber jetzt nicht vertiefen… ;-) Der jedenfalls wusste Rat, aber wo zum Teufel kriegt man in den USA homöopathische Mittel? Jedenfalls nicht in der Apotheke, das ist schon mal klar. Nun gut, da mich hier inzwischen alle kennen, habe ich das ganze Dorf befragt und es stellte sich heraus, dass direkt neben dem Hostel eine Homöopathin ihre Praxis hat, und die hatte zumindest die Globuli. Und was soll ich sagen, die Schwellung macht sich vom Acker. Und ich laufe wieder mehr rum. :-)

Am Donnerstagmorgen kurz vor halb sechs ging es dann im Van los in Richtung Damascus. Es regnete die ganze Zeit. Kurz vor dem Ziel in Abingdon mussten wir kurz anhalten, um Texas Jack aus- und Siesta nebst Hikingbuddy und Katze einsteigen zu lassen. Plötzlich hüpfte Tanja ganz aufgeregt auf unseren Van zu, sie hatte die Nacht dort im Motel verbracht und saß gerade beim Frühstück, als wir auf den Hof fuhren. Was für ein schöner Zufall, zumal wir uns auf den folgenden Traildays dann verpassen sollten.

Der erste Tag war noch recht ruhig, Chuck brauchte nur wenig Hilfe beim Einrichten des Zeltes – der Stand des ALDHA Appalachian Long Distance Hikers Association. So bummelte ich mit James ein wenig durch den Ort, unterbrochen von Regenschauern, einem Burger und einem weiteren vergeblichen Versuch, in der Bibliothek Bilder hoch zu laden. Auch das in Damascus scheinbar normalerweise überall verfügbare Wifi war nach wenigen Stunden derart überlastet, dass wohl keiner mehr in überhaupt irgendein Netz kam. In der Hoffnung Tanja wie angekündigt auf einem Vortrag über eine (solo!) Nordpolexpedition wieder zu treffen, schlichen wir kurz nach Beginn in die Townhall. Da wusste ich noch nicht, dass sie keinen Shuttle mehr bekommen hatte, aber die Präsentation von Helen Thayer war super interessant. Ich fragte mich bei jeder ihrer Geschichten, wie kommt man bloß auf so eine Idee??? Glaubt es mir: der AT ist nix dagegen! Danach sind wir stracks in die Bingo-Hall getrabt, weil es dort ein kostenloses Dinner gab. ;-) Und bevor Claudia wieder fragt: Pulled Pork Burger, Baked Beans, Coleslaw und Potatosalad! …und tausend Dinge zum Nachtisch.

Was ich nicht wusste: die Traildays werden in beinahe erschreckendem Ausmaß von allen bekannten und unbekannten Kirchen unterstützt. Da werden Cookies gebacken, Mützen gehäkelt, Hiker-Dinner veranstaltet, Haare geschnitten, Füße gewaschen und sogar einen Doktor konnte man konsultieren. Da ich mich nicht den ganzen Tag in den Menschenmengen rumtreiben wollte und es außerdem eine gute Idee fand, bin ich da also am Freitag mal hin, um zu gucken, ob er denn sehr beschäftigt sei. War er zu meiner Überraschung überhaupt nicht, ich musste nur zehn Minuten warten, und so nutzte ich die Chance. Er griff sich gleich das ganze Bein, flipperte ein bisschen mit meiner Kniescheibe herum und stellte eine Menge Fragen, die ich alle mit ja beantwortete. Beugen, strecken, Kniescheibe schieben, drehen, ziehen, drehen, drücken, Kniescheibe schieben… Er war ein bisschen traurig, als er mir mitteilte, dass ich damit wahrscheinlich nicht ganz bis nach Maine kommen werde. Das löste nicht gerade Freudentaumel aus, trotzdem mir das inzwischen klar war. Aber es dann auch nochmal zu hören war nicht übertrieben erheiternd. Er sagte es sei in jedem Fall hilfreich, mich zu bewegen (!) und die Muskeln zu trainieren, um das Knie zu schützen und zeigte mir ein paar Übungen. Hochlegen und kühlen war also nicht uneingeschränkt hilfreich, um es mal vorsichtig auszudrücken… Ich soll also in Zukunft langsamer gehen, die Muskeln trainieren und (was auch schon die Homöopathie-Fraktion mir ins Hirn einmassiert hat ;-)) auf meinen Körper hören. Ja, so langsam habe ich das begriffen. Der Weg ist der Weg, und es macht außerdem viel mehr Spaß ohne Schmerzen. Dann lauf ich halt so weit wie ich komme.

Den Rest des Tages habe ich ziemlich wenig gemacht, abends haben wir in der alten Mühle Steaks gegessen, und nach einer sehr erholsamen Nacht ging’s am Samstag mal unter Leute ;-) Die Musik war gut und die Atmosphäre entspannt. Außerdem hatten wir das große Glück, dass wir unsere Zelte beim B&B Lazy Fox im Garten aufbauen durften, so dass der Weg nicht so weit und die Nächte ruhig waren.

Am Sonntag haben wir nach VIER Pancakes in Mojoe’s Coffeehouse (ich wäre fast geplatzt, aber die waren SOOO lecker – genau wie der Chai-tea) noch kurz beim Zelt-Abbau geholfen und ab ging’s zurück nach Hot Springs. Meine ‘Hikerbox’ im Hostel war dank Mark wieder für mich reserviert, so dass ich direkt wieder einziehen konnte. :-)

Heute hatte ich nun also meinen ersten Slackpacking Tag, das heißt ich bin nur mit Tagesgepäck gehiket, UND es war gut! Chuck hat mich sechs Meilen außerhalb ‘ausgesetzt’ und ich bin zum Hostel zurück ge…schlendert. Ja, ich bin ziemlich langsam, aber es funktioniert einwandfrei. Und es ist so schön, wieder auf dem Trail unterwegs zu sein! :-) Morgen versuche ich ein paar Meilen mehr.

4 thoughts on “Back on the Road

  1. CatchUp

    Hi Tina,

    es macht echt Spaß, Deinen Blog zu lesen, zumal ich jetzt richtig viel Zeit hab. :/ Sitze in Marion im Travel Inn mit Schmerzen im unteren Schienbein fest.:( Die Schmerzen waren letzten Freitag innerhalb 10 min so stark, daß ich kaum noch laufen konnte. Hab’s grad so bis Atkins geschafft, von wo ich dann per Hitchhiking zurück zu den Trail-Day’s bin. Leider hab ich Euch da auch verpasst…:(
    Es freut mich aber, daß es Dir endlich besser geht und Du bald weiter hiken kannst. Wie schon andere erwähnten: Der Weg ist das Ziel!
    Drück Dir die Daumen und vielleicht laufen wir uns ja nochmal über den Trail… ;)

    lg catchup

    1. Tina Beitragsautor

      Danke :-)

      Oh ich hoffe, Dir geht es bald wieder besser, wobei ich aus eigener Erfahrung sagen kann, dass so’ne Pause echt gut tut. Ist nur so unerwartet unheimlich schwierig, sich damit anzufreunden. ;-) Aber Du bist gut unterwegs und musst denke ich nicht hetzen. Also… listen to your body!!! Ich kann Dir Homöopathie empfehlen!

      LG Snowball

      PS: Da ich jetzt stark entschleunigt bin würde ich dich selbst dann nicht catchen, wenn DU drei Wochen off wärst… aber man weiß ja nie ;-)

  2. BruderHerz

    Hallo Schwesterherz!

    Immer wieder schön hier in Deinem Blog Neuigkeiten zu entdecken – vor allem natürlich, wenns es gute sind :-))

    Na gut, ich hoffe der Vortrag mit der Nordpolexpedition hat sich jetzt nicht so stark bei Dir eingebrannt, wie damals die Doku über den Appalachian Trail ;-)

    Ich drücke Dir weiterhin die Daumen mit Deinem Knie und hoffe, dass Du bald wieder in Schwung und auf den Trail kommst…

    Und egal, wie weit Du kommst – Hauptsache Du hast Deinen Spaß dabei. Der Weg ist das Ziel :-))

    Lieber Gruß
    Dein BruderHerz

  3. Daniel

    So eine Strecke sollte man sich eh in homöopathische Dosen einteilen. Viel Glück – und ich freue mich schon auf die nächsten Bilder.

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