Da denkt man EINMAL

…man könnte mal ein bisschen alleine sein… Denkste Puppe. Und jeden Tag ein Abenteuer, sonst wird’s ja langweilig. Der erste Tag lief super, auch wenn die Lebensmittel für sechs Tage sich anfühlten, als hätte ich mich für wirklich wirklich schlechte Zeiten gewappnet. Da ich am ersten angepeilten Shelter noch ziemlich fitt war und wusste, dass der folgende Tag streckenmäßig anspruchsvoller werden würde, bin ich noch bis zur nächsten Campsite gewandert. Keine Anzeichen dafür, dass es womöglich mal weniger Hiker auf dem Trail werden würden. Kaum hatte ich am ersten Abend mein Dinner beendet und den Bearbag aufgehängt, fing es auch schon an zu gewittern. Aber die Nacht war relativ ruhig und gegen Morgen schien es zunächst aufzuklaren…

Gerade waren alle einigermaßen mit dem Frühstück fertig, und ich war schon dabei meine Sachen zu packen, da landete der erste dicke Tropfen auf meinem Zelt… Und ich dachte noch so bei mir, was für ein Glück, dass ich nicht (wie eine andere Hikerin) gerade mit Schaufel ins Gebüsch gegangen bin… da öffnete der Himmel schon alle Schleusen, während ich zurück ins Zelt sprang, einen Fuß schon halb in der Regenhose. Und wieder dachte ich, gut dass ich meine Regenhülle über meinen – natürlich schon rausgestellten – Rucksack gezogen habe. Während ich versuchte, den zweiten Fuß in die Regenhose zu fädeln, riss der Haupthering raus und das Vorzelt flog mir um die Ohren, jetzt kamen auch noch Sturm, Blitz und Donner dazu. Doof, wenn man nur zwei Hände hat… Eine Hand am Vorzelt, eine Hand dabei, irgendwie den zweiten Fuß in die Regenhose zu fummeln, ohne den Matsch der Stiefel in eben jener zu verteilen, war nicht einfach. Ich hatte das Ding gerade bis zu den Knien, da riss der nächste Hering raus und das Wasser lief nur so ins Zelt – natürlich von hinten, wo sonst. Und ich wieder: was ein Glück, dass ich den Daunenschlafsack schon in seine Tüte gesteckt habe… gut, dass der Klamottensack wasserdicht ist… Das Vorzelt zwischen die Füße geklemmt verstaute ich auch meinen Hintern endlich wasserfest. Und bevor das Zelt endgültig über mir kollabieren konnte, hörte wenigstens der Sturm auf, so dass ich mich entschied, den Rest im strömenden Regen zuende abzubauen und loszulaufen. Nützte ja nix, also: je eher dabei, je eher davon. Ich hoffte, ich könnte am nächsten Shelter Unterschlupf finden. Den steilsten Berg konnte man an diesem Tag – schon wieder Glück – auf einem Bad Weather Trail umgehen, was ich auch tat ohne zu zögern, obwohl die Sonne rauskam. Und auch die riesige Baumkrone, die da so frisch gefallen rumlag konnte mich nur kurz bremsen. Am Shelter traf ich dann den Rest meiner Leidensgenossen wieder. Während die gerade im Aufbruch begriffen waren, packte ich meinen gesamten Krempel in die Sonne, bis alles wieder trocken war. Nach dieser ausgedehnten Mittagspause bin ich dann noch recht stressarm zum nächsten Shelter gewandert und habe mal nicht im Zelt geschlafen. So viel Glück an einem einzigen Tag ;-)

Da alle anderen schneller sind als ich, lerne ich nach wie vor jeden Tag neue Leute kennen. So langsam dünnt sich das Feld aus und ich habe das Gefühl, dass überwiegend die netten übrig bleiben.

Die nächsten Tage waren dann nicht sooo aufregend… Obwohl ich glaube, dass ich einen Bären gesehen habe. Zuerst riecht man sie! Und ich bleibe jedes mal stehen und suche die Umgebung mit den Augen ab, aber die Viecher haben Angst vor mir und halten still… allerdings denke ich, diesmal hat einer aus versehen mit dem Ohr gewackelt. So genau konnte ich es aber nicht erkennen. Und dann hab ich auch die 300-Meilen-Marke geknackt :-)

Die vierte Nacht habe ich bei einem Shelter verbracht, das zweistöckig und total zugemüllt war. Deswegen zog ich es vor wieder im Zelt zu nächtigen. Zuerst sah es so aus, als bliebe ich allein, dann kam aber noch Grizzly und leistete mir an meinem Campfire Gesellschaft. Inzwischen habe ich mich ja total daran gewöhnt, in der Nähe der Shelter auch immer ein Privy zu finden, also etwas das man im weitesten Sinne für ein Klo halten kann. Dieses war besonders ausgetüftelt: drei Seiten halbhohe Holzverkleidung – insoweit nicht so viel anders als alle anderen. Dieses aber hatte eine Tür… die lustigerweise nicht mehr zu schließen war, sobald man drin hockte, weil die Knie im Weg waren. Das kleinste Privy das ich bisher gesehen habe, aber besser als keines… wie es bei den folgenden Sheltern der Fall sein wird.

Dreimal hatte ich in den letzten Tagen Trailmagic. Einmal stand eine Kühlbox mit Getränken auf dem Trail, da gab es eine Coke für mich. Dann bot mir den einen Morgen einer der ganz verrückten doubble-tripple-sonstwieoft Hiker an, mir Wasser mitzubringen – und das war ewig weit weg! Ich war also angemessen begeistert. Und vorgestern war ich gerade auf der Suche nach einem schönen Platz zum Mittagessen, da entdeckte ich den perfekten Baumstamm zum drauf sitzen und daneben eine Kühlbox mit Erdbeeren, Brownies, Cookies, Wasser! Da stand das Dessert schonmal fest :-)

Das letzte Shelter dann – das No Business Knob Shelter – war genau das: No Business und auch sonst nix. Aber soweit, nach Erwin rein zu laufen (bzw. runter!) reichen die Kräfte wirklich nicht mehr. Dafür freute ich mich heute morgen schon richtig auf einen entspannten und ruhigen kurzen Tag, da kamen direkt nach dem Frühstück zwei Hunde angelaufen. Und was freuten die sich erst, mich zu sehen! Und relativ schlecht erzogen waren sie außerdem. Voller Begeisterung (Winseln, Hecheln, Schwanzwedeln) leckten sie so ziemlich alles an, inklusive meiner Hose… und wichen mir nicht mehr von der Seite – beide übrigens mit Antennen und Sendern (?) versehen. Zuerst dachte ich ja noch, das Herrchen würde gleich um die Ecke kommen, aber nö. Treu dackelten die beiden vor und hinter mir her. Beschimpfungen und Verwünschungen aller Art prallten an ihnen ab. So liefen wir also – die beiden einträchtig, ich vor mich hinbrodelnd – zwei Stunden lang unseres Weges. Ich malte mir bereits in bunten Farben aus, wie ich explodieren würde, wenn ich den Besitzer zu fassen bekäme… Leider und zum Glück traf ich dann ein älteres Paar, das die Hunde – Ben und T-Bone übrigens ihre Namen – kannte und den Halter anrufen wollte. Ich hätte nicht zufällig auch den dritten Hund gesehen? Wie bitte??? Na das hätte mir gerade noch gefehlt! Zum Glück nicht!

Der Rest des Weges war erfreulich ereignislos aber anstrengend, da es wie immer wenn ein Ort kommt, bergab ging. Kaum im Hostel ging der Stress schon wieder los: Shuttle to Town in 15 Minuten, Mittagessen all you can eat Pizza Buffet. Den nächsten Shuttle gab’s erst wieder zum Dinner. Also ungeduscht (wie fast alle) rein in ein abenteuerliches aber erstaunlich volumiges Gefährt. Abgesehen davon, dass der Fahrer uns dann fast vor einen fahrenden Zug kutschiert hat, ging alles gut. Und zum Glück ist der Pizza-Laden ausgesprochen intensiv klimatisiert gewesen, also sahen wir wohl nur etwas fertig aus. Danach endlich die heiß ersehnte Dusche und schon bald der nächste Shuttle zum Dinner, weniger beängstigend aber ähnlich spektakulär: 22 Hiker auf 13 Plätzen… Der Rekord liegt wohl bei 27. Nach dem Mexikaner kurz einkaufen, Wäsche waschen (ich war die erste an der einzigen Maschine!) und Blog schreiben. Eigentlich wollte ich hier einen Zeroday einlegen, aber irgendwie ist mir das zu stressig. ;-) Bis zum nächsten Hostel sind es nur drei nicht allzu lange Tage, also vielleicht mache ich das… Wahrscheinlich. Eventuell. Mal sehen, erstmal drüber schlafen ;-)

4 thoughts on “Da denkt man EINMAL

  1. BruderHerz

    Hallo Schwesterherz!

    Schön, dass Du Deine ersten Tage auf den Trail soweit gut rumgebracht hast – und dann noch so viel “Glück” mit dem Wetter ;-))

    Und erst die tierischen Begegnungen mit rehscheuen Bären und ferngesteuerten Hunden (…die Amis…) :-)

    Also wenn die Bären Dich schon meiden, mag man ja gar nicht mal nach neuen Fotos fragen…

    Ich wünsche Dir weiterhin viele nette Begegnungen mit den anderen Hikern und viel Trail-Magic!

    Lieber Gruß
    Dein BruderHerz

    1. Tina Beitragsautor

      Das mit den Fotos gestaltet sich echt schwierig… Jetzt bin ich im Greasy Creek Friendly Hostel, es gibt einen Computer und kaum Hiker – bloß mein Paket mit dem Elektrokram kommt nicht an Laden… und dann stellte sich ja auch immer noch die Frage, ob es diesmal überhaupt klappen würde… *seufz!*

  2. Kathrin

    Hallo liebe Patentante, liebe Grüße von deinem nun sechsjährigem Patenkind Juli!!!
    Nachher werden wir meinen Geburtstagskuchen essen und an dich denken (ob der auch
    so gut schmeckt, wie der, den du immer backst!?)

    1. Tina Beitragsautor

      Happy Birthday to you
      Happy Birthday to you
      Happy Birthday liebe Juli!!!
      Happy Birthday to youuuuu!!!
      Viele liebe Geburtstagsgrüße aus Erwin und einen ganz tollen Tag wünsche ich Dir!
      Deine Patentante :-*

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