Mäuse und Moskitos oder Matsch

…das waren in den letzten Tagen meine Optionen für die Nacht. Nachdem ich das Dancing Bear B&B – gefüllt mit leckeren Frühstückswaffeln, Bagels und Joghurt mit Früchten – verlassen habe, lief es zunächst ziemlich gut, außer dass ich etwas zu schnell unterwegs war, was ich daran merkte, dass die Energie relativ schnell nachließ. Allerdings gefiel mir die Campsite, die ich für den Tag anvisiert hatte überhaupt nicht und so beschloss ich, noch vier Meilen drauf zu packen und zum nächsten Shelter zu laufen. Obwohl das für mich in echte Arbeit ausartete, war es eine gute Idee, denn es waren so einige nette Leute dort. Ich schaffte es noch bei Tageslicht, mein Zelt aufzubauen und einzurichten und mein Dinner zu kochen, da fing es an zu donnern und zu regnen, das mir hören und sehen verging. Ich hockte mit den anderen solange im Shelter und hoffte sehr, dass mein Zelt diesmal stehen blieb. Und das tat es! Nun gut, ich musste einmal feucht durchwischen, bevor ich schlafen gehen konnte, aber alles Wesentliche war trocken geblieben.

So ähnlich ging es die nächsten zwei Tage weiter, mal regnete es tags, mal nachts und dazwischen auch… so richtig viel Schlaf habe ich nicht bekommen. Zwei Nächte habe ich im Shelter geschlafen, aber es sind immer irgendwie Mäuse unterwegs. Und Angst kennen die auch keine. Solange wir abends noch draußen saßen oder im Schlafsack liegend Tagebuch schrieben, guckten sie bloß neugierig um die Ecke, checkten das Revier und freuten sich vermutlich auf die Nacht… Und dann ging es los, große Mäuseparty die ganze Nacht. Sogar meine Haare waren hochinteressant, wirklich verwunderlich dass sie nicht doch in den Schlafsack gekrochen sind, aber vermutlich kennen sie das schon: Erstickungsgefahr! Immerhin waren es zwei Nächte, in denen mir das Zelt nicht absaufen konnte! Und weil das Wetter besser zu werden schien und das gestrige Shelter absolut nach Mäuseparadies aussah, gönnte ich mir mal wieder eine Nacht im Zelt. Außer mir war niemand sonst dort, es war schon so etwas unheimlich. Und dreimal dürft Ihr raten, was dann passierte… Das war wirklich nicht feierlich! So ein Thunderstorm dauert ja meist nicht ewig lange, aber der Matsch spritzte nur so durch die Gegend. Die ganze Nacht lang fielen noch die dicken Tropfen von den Bäumen auf mein Zelt und phasenweise klang es, als würde eine Horde Trampeltiere um mein Bett tanzen. Keine Ahnung, was das war! Mehrmals fielen in der Nähe große Äste laut krachend zu Boden (ich hatte meinen Zeltplatz extra entsprechend astarm ausgewählt!)… Aber ich beschloss, allen Ängsten zum Trotz, das alles zu ignorieren. Was hätte es geändert, ob ich nun schlief oder nicht? Mehrmals bin ich also richtig tief weggepennt, aber erholsam ist was anderes.

Heute Nachmittag dann bin ich in der Nähe von Marion VA aus dem Gehölz gekrochen und obwohl das Partnership Shelter eine Dusche hat, die Sonne wieder schien und man von dort aus Pizza bestellen kann, zog ich es vor, gleich in den Ort zu fahren und ein richtiges Bett klar zu machen. Leider fährt am Wochenende kein Bus und so bot sich die Chance für mein allererstes Mal Hitchhiken, zu deutsch: Daumen raus und gucken was passiert ;-) Bereits nach zwei Minuten Warten war ich verunsichert. Drei Autos waren ohne jede Reaktion an mir vorbei gefahren… dann vier, dann fünf… nach etwa fünf Minuten hielt ein roter Jeep, der Fahrer hieß Chuck, er ist hier aufgewachsen und lebt seit 30 Jahren in China. Gerade ist er zu Besuch in der alten Heimat und bevor er mich zum Travel Inn fuhr, bekam ich noch eine Rundtour durch den Ort, damit ich mich hier auch zurecht finde. Super netter Typ, und wenn mein Handy hier funktionieren würde, könnte ich ihn anrufen, wenn ich etwas bräuchte, er wäre noch zwei Tage hier, bevor er nach Maine fährt, um seinen Bruder zu besuchen, den er seit fünf Jahren nicht gesehen hat. Unglaublich! Im Motel habe ich Fourtyfour wieder getroffen, der den Trail hier verlassen wird. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg ans andere Ende der Mainstreet, um uns um unser leibliches Wohl zu kümmern. Diesmal wollte ich Sushi essen. Gerade unterhielten wir uns darüber, ob wir die knapp zwei Meilen hitchhiken sollten – er erzählte mir, dass er das letzte Mal über eine Stunde warten musste, bis ihn jemand mitnahm – als neben uns ein Auto hielt: Seid Ihr Hiker? Wollt Ihr mitfahren? Der Fahrer Tom war gerade selber drei Tage auf dem Trail unterwegs gewesen, um seine Tochter zu besuchen, die auch Thru’hikerin ist, also den AT komplett wandern will. Er entschuldigte sich sogar dafür, dass er seine dreckigen Schuhe noch anhatte, sehr amüsant. :-) Der Rückweg zum Motel verlief ähnlich, diesmal wieder mit aktiver Daumenarbeit… Fourtyfour wollte sich kaputt lachen. Er meinte, wenn wir auch keine Mitfahrgelegenheit zum Motel bekämen, so wäre meine Choreografie doch sehr unterhaltsam, alleine dafür hätte sich der Versuch schon gelohnt… Was soll das denn bitte heißen??? Ich kann sehr elegant meinen Daumen in die Luft halten! …kaum fünf Minuten später hielt erneut ein Auto, total nette Leute aus der Gegend, die schwer beeindruckt waren, wie man so viele Meilen zufuß laufen kann. Hätte nie gedacht, wie einfach und unkompliziert das Leben als Hiker auch sein kann! :-)

Ein Gedanke zu „Mäuse und Moskitos oder Matsch

  1. Daniel

    Klingt so, als hätten die ängstlichen Männer von neulich doch völlig zu Recht Schiss vor den Mäusen gehabt … Ansonsten: Immer schön den Hitchhiking-Daumen hoch!

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