Weibliche Rundungen

…kann man sich ja auf vielerlei Weise zulegen. Nicht jede ist dabei angenehm, aber ich will nicht vorgreifen.

Um die neuen Schuhe zu testen und da die Strecke sich dafür besonders anbot, habe ich mich per Shuttle wieder zu dem Parkplatz ‘zurück’ bringen lassen, wo ich aufgrund meiner schmerzenden Füße einige Tage zuvor ausgestiegen bin. Auf diese Weise hatte ich zwei relativ kurze 10-Meilen-Tage vor mir und bin per offizieller Methode wieder in Daleville gelandet, wo ich – das ist der angenehmste Teil – nun nochmal im Hotel schlafen kann. Und hoffentlich ist der Pool diesmal wie angekündigt ‘morgen’ repariert.

Ich bin also voller Vorfreude vorgestern wieder losmarschiert, McAfee Knob zu erobern und tolle Fotos zu machen – Wetter super (wenn man von den 90 Grad absieht), Trail beinahe menschenleer, Schuhe bequem! Völlig durchgeschwitzt aber glücklich kam ich oben an… DAS ist mal eine Aussicht! Und es waren sogar zwei weitere Mädels da, und so machten wir Fotosession. Ich nutze die warmen Felsen, um noch ein wenig zu entspannen und die Brise zu genießen – von mir aus hätte ich auch bleiben können ;-) – aber irgendwann musste es weiter gehen.

Ich kenn das ja schon, wo ich bin, ist immer auch ein Thunderstorm nicht weit… Plötzlich gab es ein Geräusch, als öffnete jemand vor meiner Nase ein riesiges, schweres, altes Rolltor. Aber kein Licht schien auf mich herab und keine Stimme sprach zu mir. Ok, dachte ich mir, dann ist wohl für heute alles gesagt. Weit gefehlt… offenbar war es nur noch nicht so weit – es donnerte und grollte erneut und dann biss mich ganz unvermittelt etwas in den Arsch! So schnell habe ich niemals zuvor sowohl Rucksack als auch Hose unten gehabt! Nicht dass ich jemals auf dem Trail die Hose runter gelassen hätte, aber das tat sooo weh, und was immer das war, ich wollte es nicht in meiner Hose! Ok, vielleicht hat – was auch immer – mich auch durch die zwei Hosen hindurch gestochen, aber wozu und warum? Und sicher ist sicher… aber außer einem riesigen roten Stich (können auch zwei oder drei sein – hat jedenfalls schön gezwiebelt), der auch schon fröhlich anfing anzuschwellen, war nichts zu finden. Mistviech! Schön mitten auf die Backe! Zum Glück hörte immerhin der Schmerz kurze Zeit später wieder auf. Puh! Nicht so das Grollen und gleich darauf purte es nur so auf mich herunter. Mein neues T-shirt sog sich sekundenschell voll und schmatzte sich an meinem Körper fest. Hmmm! Der Hersteller weiß, was so’n richtiger Genussmensch sich wünscht. Da war ich nun gerade von Wolle (kühlt im Sommer… haha!) zu Synthetik umgestiegen, um nicht so sehr zu schwitzen und etwas zu haben, das schnell (bzw. überhaupt!) trocknet, da konnte ich gleich mal den Extremfall testen. Auch schön. Als ich dann bei den Tinker Cliffs ankam, hatte ich den guten Stoff schon wieder auf die nötige Distanz gebracht. Obwohl der Regen nachließ, war hier allerdings nicht viel mit Aussicht, aber McAfee Knob – den ich durch den Regenschleier einige Meilen entfernt immerhin erahnen konnte – konnte das eh nicht toppen :-) 

So habe ich nun trotz meines ‘Tempos’ immerhin diesen Meilenstein erreicht. All die Strapazen, schmerzende Knie und Füße rückten für den Moment völlig in den Hintergrund. Und zum nächsten Shelter war es dann auch nicht mehr weit. Da ich nicht im Regen zelten und einen weiteren Guss riskieren wollte, schlug ich mein Zelt im Shelter auf, was zwar im Allgemeinen als asozial gilt, aber da zur Zeit kaum noch Hiker auf diesem Abschnitt unterwegs sind, gemeinhin akzeptiert wird. Diese Nacht blieb ich sogar allein und somit hat sich niemand beschwert.

Der nächste Tag war wieder warm und sonnig und der Trail abwechslungsreich. Softe, mit Piniennadeln bedeckte Wege wechselten sich mit Felsen und kleinen Klettereien ab. So bringt das Hiken doch gleich viel mehr Spaß, wenn bloß die Füße nicht immer noch so unglücklich wären. Ja, nach wenigen Meilen und trotz bequemer Schuhe ist das Thema noch nicht vom Tisch. Offenbar haben 5 Tage ‘off the Trail’ nicht ausgereicht. So wirklich groß ist meine Begeisterung darüber nicht – aber was soll’s, würde mein Opa jetzt sagen. Wo ist schon was vollständig ;-)

Zurück in Daleville war ich dann abends mit Wendy verabredet. Ich habe sie, Holly und Eric vor ein paar Wochen auf dem Trail kennen gelernt. Die drei waren nur für ein paar Tage im Wald, aber wir hatten das gleiche Tempo und waren uns auf Anhieb sympathisch. So kam es, dass Wendy mir anbot, mich mit Trailmagic zu versorgen, wenn ich in die Nähe von Daleville bzw. Roanoke käme. Durch das ganze Durcheinander der letzten Woche beschlossen wir dann aber, dass es einfacher ist, uns zum Dinner zu verabreden und so waren wir bei den ‘drei kleinen Schweinchen’  ;-) Nachdem ich zwei Abende hintereinander das ausgesprochen leckere und frische Sushi vom Krogers Supermarkt genossen hatte, gab es für mich mal wieder einen Burger. Großartig!

Heute Morgen habe ich dann zum ersten Mal seit Urzeiten ausgeschlafen. Ich wusste gar nicht mehr, wie das geht! Habs aber ganz gut hinbekommen, da muss ich mich direkt mal selber loben :-p Klar ist, dass ich nicht wie erwartet heute oder morgen weiter wandern kann. Also habe ich mir ohne Umwege den pinkfarbenen Nagellack geschnappt, den ich vor einigen Tagen schon in der Hikerbox erblickt habe und eine große Tüte Epsom Salt, um die Füße zu baden. Angeblich hilft es strapazierten Muskeln und Gelenken beim Regenerieren und so ist hier für mich mal ein wenig Spa-time angesagt. Keine Ahnung, wie es jetzt weiter geht, aber mir wird schon was einfallen (die Flüge nach Hawaii sind leider etwas zu teuer – hmpf)! Und bis dahin versuch ich’s erstmal mit relaxen… Wow, und es sieht fast so aus, als wäre der Pool endlich repariert… ;-)

6 Gedanken zu „Weibliche Rundungen

  1. M & P

    Hi Liese,
    au Backe!! Dieser hinterhältige Morskneifer war bestimmt die gemeine Steinlaus. Gut, dass Du inzwischen so einen durchtrainierten Hintern hast … das hat der Steinlaus bestimmt ordentlich weh getan … dabei fällt uns gerade ein: wann gibt es mal wieder ein paar neue Bilder??
    Die Idee mit der Spa-Time ist sehr vernünftig … pinke Nägel machen einen schön schlanken Fuß … bist Du denn mit einer Flasche Nagellack ausgekommen?? … wir haben keine Vorstellung, wie groß Deine Füße inzwischen geworden sind … es fehlen eben die Bilder.
    Weiterhin viel Spaß beim Hiken / Relaxen / oder auf Hawaii. Für kluge Ratschläge stehen wir natürlich auch zukünftig stets zur Verfügung.
    Wir drücken Dich!!
    (°L°) und (*j*)

    1. Tina Beitragsautor

      Ja, das wird es gewesen sein! Die gemeine Steinlaus macht ja auch vor Eisen (-harten Muskeln) nicht halt!

      Oh, ähm… meine Füße… Ich hab ja jetzt Männerschuhe und obwohl es dieselbe Größe ist, wie beim Damenmodell, nämlich 9 (USA) wird da behauptet, es wäre Größe 43 (weiblich 9 ist 41!). Da wird doch bei den Männern mal wieder mehr draus gemacht, als es wirklich ist. Nicht dass ich da jetzt wieder drauf rumreiten will, aber das Herrenmodell war außerdem auch noch der softeste Schuh, den ich finden konnte!

      Das mit den Bildern kann ich tatsächlich mal wieder in Angriff nehmen. Hoffe der Computer in der Lobby ist schnell! Die Nutzung ist nämlich auf 20 Minuten beschränkt…

      Grüße und Küsse in die Heimat!
      Eure Liese :-*

  2. Daniel

    Ich hätte ja gern gewusst, welchen Platz Du im Wet-T-Shirt -Wettbewerb belegt hast. Schade, dass da keine Jury im Wald war. Übrigens: Kann es sein, dass Dich Dein kleiner Foto-Schlumpf in den Hintern gebissen hat? Zutrauen würd ich’s ihm, er hat irgendwie so einen verschlagenen Blick …

    Ansonsten: Bleib gesund, hab viel Spaß und tolle Erlebnisse!

    1. Tina Beitragsautor

      Erster Platz in der Kombination ‘wet T-shirt und dicke Backen’ ;-) – was sonst?!

      Ein sehr schönes Lied übrigens, das Vera vor kurzem rumgeschickt hat! Cooler Chor ;-)

      Liebe Grüße an alle!

  3. Tanja aka Mary Poppins

    Liebe Tina,
    erst mal alles Liebe und Gute nachträglich zum Geburtstag. Viel Glück, Freude und Gesundheit auf dem Trail und natürlich auch darüberhinaus. Und auch herzlichen Glückwunsch zu den neuen Schuhen, das Schicksal der wachsenden Füße erleiden wohl die meisten, bei mir war es ja schon nach 500 Meilen so weit. Und obwohl ich seit 3 Wochen nicht mehr ernsthaft gewandert bin, passen mir die meisten meiner Schuhe zu Hause immer noch nicht.
    Bin noch in Kontakt mit meinen beiden hiking buddies Hydro und Miracle. Sie stolpern gerade über die Felsen und Giftschlangen von Pennsylvania, hört sich nicht so spaßig an.
    Take care and remember “es gibt kein Bier auf Hawaii”,

    Tanja aka Mary Poppins

    1. Tina Beitragsautor

      Oh verdammt, das mit dem Bier hatte ich ganz vergessen ;-)

      Vielen lieben Dank für die guten Wünsche! Im Moment ist mal wieder ‘resting’ angesagt. Zum Glück gibt es hier (im Gegensatz zum Wald) einen Pool und so viele Duschen wie ich will. Ist ganz schön hot ;-)

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